Erfreulicherweise hat Swarovski nun auch große NL Pures auf den Markt gebracht. Auf diese haben sicherlich nicht wenige gewartet. Vor allem diejenigen, die Astronomie betreiben - wie ich. Sicherlich werden auch Jäger und und Naturfreunde sich über das 10x52 freuen. Es ist nur unwesentlich schwerer und größer als das NL 10x42, bietet aber vor allem in der Dämmerung mehr Leistung.
In den letzten zwei Wochen konnte ich das Glas ausgiebig testen. Da ich die 42er NL Pures schon getestet habe und den entsprechenden Testbericht im Jahr 2022 in diesem Forum veröffentlicht habe, möchte ich mich hier im Wesentlichen nur auf Unterschiede, Vorteile und Hinweise beschränken.
Design, Haptik, Ergonomie, Mechanik:
Ohne jeden Zweifel sieht das Glas edel aus, eher filigran für ein Glas dieser Größe. Vor allem liegt es besser, “satter“ in der Hand als ein 42er Glas. Dank seiner Größe und seines Gewichtes kann man das Glas auch ruhiger halten als ein 10x42. Das setzt aber voraus, dass das Glas richtig gefasst wird: Eine Hand fasst das Glas mittig (zum Fokussieren), und die
andere Hand fasst es vorn am Objektiv. Dabei sollte es richtig fest gefasst werden und über den Augen gut abgestützt werden - Brillenträger empfehle ich die optionale Stirnstütze. So ist das Glas gut ausbalanciert, und es kann recht ruhig gehalten werden. Durch die Wespentaille kann man es auch gut mit nur einer Hand halten. Anfangs fand ich die Wespentaille etwas gewöhnungsbedürftig. Gerade bei dem 10x52 sehe ich darin aber einen echten Vorteil. Verarbeitung und Mechanik sind, ohne Wenn und Aber, tadellos - wie wir es von Swarovski gewohnt sind. Der Mitteltrieb läuft butterweich, ohne Spiel – perfekt!
Optik:
Whow-Effekt? Ja, wenn man zuvor noch nicht durch ein NL Pure gesehen hat. Aber auch für mich gab es einen kleinen Whow-Effekt, denn die Bildqualität ist so perfekt, so, wie ich es mir immer für ein Glas 10facher Vergrößerung gewünscht habe. Das hängt auch mit der Austrittspupille zusammen. Ein Glas mit einer Austrittspupille von 5 mm oder mehr liefert immer das homogenere, perfektere Bild – bei gleicher Qualität der Optik. Vergleicht man z.B. das 8x32 NL mit dem 8x42 NL oder das 10x42 NL mit dem 10x52 so kann man bemerken, dass das Gesichtsfeld zum Rand hin nicht mehr ganz so gleichmäßig ausgeleuchtet ist wie bei den größeren Gläsern – es vignettiert ein wenig. Der Unterschied ist aber nur sehr fein. Das Bild im 10x52 und auch im 8x42 wirkt wie ausgestochen. Beim Streulicht- und Schwenkverhalten gibt es für mich nichts zu bemängeln. Bei anderen NLs wurde manchmal die Streulicht-Empfindlichkeit kritisiert. Die kann sich manchmal bei bestimmten Lichtverhältnissen (Gegenlicht) bemerkbar machen, verschwindet aber meist, wenn das Glas objektivseitig etwas nach oben bewegt wird. Auflösung, Helligkeit, Farbneutralität, Brillanz und Einblickverhalten (kein Kidney-Bean-Effekt) sind ebenfalls perfekt – nichts anderes hatte ich erwartet.
Wie schlägt sich das Glas bei astronomischen Beobachtungen? Hier gilt das Gleiche, was ich schon beim NL 8x42 im Jahr 2022 beschrieben hatte: Absolut ästhetischer Anblick der sommerlichen Milchstraße, nur daß hier die Objekte deutlich eindrucksvoller sind und mehr Sterne zu sehen sind. Generell verschafft ein größeres Gesichtsfeld immer einen besseren Überblick, im Gelände wie auch am Sternenhimmel. Man findet eben schneller etwas, ganz abgesehen von dem ästhetischen Eindruck und dem genussvolleren Sehen.
Grundsätzlich sollte ein Glas aber nicht nach nur ein oder zwei Tagen abschließend beurteilt werden. Erst nach mehreren Tagen, bei unterschiedlichen Sicht- und Lichtverhältnissen, wird man mit seinem Urteil dem Glas gerecht. Auch können persöhnliche Befindlichkeiten eine Rolle spielen: An einem Tag ist man schlecht drauf, und am anderen Tag erscheint die Welt (das Glas) schon in einem ganz anderen Licht.
Fazit:
Ein super Glas, welches keine Wünsche offenlässt. Es bietet ein absolut brillantes Bild und ein ausgezeichnetes Handling! Für mich ist mit dem 10x52 ein jahrzehntelanger Traum in Erfüllung gegangen. Anfang der siebziger Jahre stand bei meinem Händler, der Firma Knappworst in Braunschweig (sehr guter Laden), das wundervolle Zeiss (West) 10x50 Porro, mit halbapochromatischem Objektiv, im Regal. Es hatte ebenfalls ein Gesichtsfeld von ca. 130 m und wog auch rund 1 kg. Leider hatte ich damals als junger Student keine 850 DM, und so musste ich über 50 Jahre warten, bis wieder ein 10x50 (52) mit ebenso großem scheinbaren Gesichtsfeld auf den Markt kam. In dieser Zeit hat mich (bin Perfektionist) auch noch kein Glas mit 10facher Vergrößerung restlos überzeugt – mit dem NL Pure 10x52 hat sich das nun geändert.
Nebenbei: Vor ein paar Jahren bin ich einer Einladung von Zeiss gefolgt und hatte noch einmal die Gelegenheit, durch ein 10x50 zu schauen: immer noch beeindruckend – schönes und vor allem sehr plastisches Bild.
Das 10x52 ist das leistungsfähige Universalglas schlechthin und dabei nochtragbar!
Sollten nun Besitzer des EL 10x50 „upgraden“ ? Wenn man Willens und in der Lage ist, das finanziell zu stemmen, ohne „Kollateralschäden“ zu verursachen, ganz klar: ja! Das 10x52 bietet das brillantere Bild, ein deutlich größeres Gesichtsfeld, die bessere Haptik / Ergonomie, bringt etwas mehr Leistung und vor allem mehr Sehgenuß. Für mich besonders wichtig: Am Sternenhimmel ist Glas ein Traum und daher ein Muß – auch wenn damit die Haushaltskasse arg strapaziert wird. Wenn man aber bedenkt, dass so ein Glas einem ein Leben lang Freude bereiten kann, dann relatvieren sich auch die schmerzlichen Anschaffungskosten.
Meiner Meinung nach haben das NL 10x52 und das NL 8x42 die beste Bildqualität von allen Gläsern der drei Premiumhersteller.
Dürfte ich nur ein Glas haben, dann wäre es mit Sicherheit das NL Pure 10x52!