Willkommen! Anmelden Ein neues Profil erzeugen

Erweiterte Suche

Re: Dämmerungsleistung bei gleicher Vergrößerung

Juelich-Logo

 
Impressum
 
Forumregeln
 
Lupen
Mikroskope
Schulung
Messtische
Mess-Software
Mikroskopierdienst
Mikroskopservice
Sonderanfertigungen
 
Ferngläser
Spektive
Teleskope
Globen
 
Sonderposten
Veranstaltungen
Forum
Testberichte
 
AGB
Impressum
Haftungsauschluss
Datenschutzerklärung
Kontakt

 

07. Dezember 2004 22:23
Wie Sie, Herr Quast, gesagt haben, sind die technischen Daten nicht das letzte Wort, sondern nur eine Orientierungsgröße. Denn in der sog. Dämmerungszahl ist 1. nicht die Transmission enthalten (die bei Spitzenferngläsern allerdings nicht allzu sehr differiert und z.B. bei aktuellen Ferngläsern von Leica, Nikon HG, Swarovski und Zeiss auf gleichem Niveau und daher vernachlässigbar wäre, beim Vergleich mit anderen Ferngläsern dann aber doch eine Rolle spielen kann) und ist 2. die Austrittspupille ungeachtet der Augenpupille des Beobachters enthalten. Wie Sie sagen, geht mit dem Alter die Fähigkeit zur vollen Öffnung auf max. ca. 7,5 bis 8 mm Durchmesser, die ein junger Mensch erreichen kann, verloren. Allerdings ist die alterbedingte Abnahme des max. Durchmessers aufgrund neuerer Reihenuntersuchungen weit geringer, als man früher annahm, und sie kann individuell auch sehr verschieden sein. So kann mancher über 60jährige durchaus noch 7 mm erreichen, während es andererseits manchen 50jährigen gibt, der gerade mal bis 5 mm kommt. Die Aussage, ab einem gewissen Alter wäre die Abnahme ca. 1 mm pro Jahrzehnt, ist jedenfalls (erfreulicherweise) unrichtig.

Ich gehe auf dieses Thema in meinem Fernglasbuch, das derzeit gute Fortschritte macht, ausführlich ein und werde dort eine neue Maßzahl als Kenngröße vorschlagen, die besser als die übliche Dämmerungszahl geeignet ist, die Leistungsfähigkeit bei schlechtem Licht zu beschreiben, auch unter Berücksichtigung der individuell verschiedenen max. Pupillengrößen.

Um vorab schon einen Verbesserungsvorschlag zu machen, wie die Dämmerungszahl durch eine zutreffendere Größe ersetzt werden kann, schlage ich vor:

1. Die individuelle max. Pupillengröße ermitteln. Eine bekannte und einfach durchzuführende Methode ist, mit einem Bohrer der Heimwerker-Bohrmaschine (Bohrerdurchmesser stehen fein abgestuft zur Verfügung) vors Auge gehalten nach mindestens viertelstündiger Dunkeladaption bei Nacht einen Stern fixieren. Ist der Stern noch zu sehen, ist der Pupillendurchmesser größer als der Durchmesser des Bohrers (man sieht beiderseits des Bohrers vobei), sieht man den Stern nicht mehr, ist es umgekehrt; die Grenze zwischen beiden Bereichen gibt den Pupillendurchmesser an. Die Dunkeladaption muß nicht länger sein, weil die Pupille relativ schnell ihre maximale Größe erreicht. Die vollständige, bis zu ca. 40 Minuten dauernde Dunkeladaption, bei der auch die Zapfen vollständig von den Stäbchen beim Sehen abgelöst werden und die maximale Rhodiopsinproduktion für höchste Lichtempfindlichkeit erreicht wird, ist dafür nicht nötig.

2. Die Austrittspupillengröße AP für die zu vergleichenden Ferngläser nach der Formel ausrechnen

AP = Objektivdurchmesser : Vergrößerung

3. Die Dämmerungszahl nicht nach der Formel „Wurzel aus (Vergrößerung · Objektivdurchmesser)” ausrechnen, sondern diese Formel wie folgt modifizieren:

effektiver Objektivdurchmesser = (kleinerer Wert aus AP und max. Augenpupille) · Vergrößerung

Dann ergibt sich nach Einsetzen in die ursprüngliche Formel statt der Dämmerungszahl die

eff. Dämmerungszahl = Wurzel aus (Vergrößerungˆ2 · (kleinerer Wert aus AP und Augenpupille))

4. Transmissionsberichtigte effektive Dämmerungszahl ausrechnen nach der Formel

transmisssionsber. eff. DZ = eff. Dämmerungszahl · Transmission

Leider setzt diese Berechnung die Kenntnis der Transmission voraus, die von vielen Herstellern nicht oder falsch (z.B. nur pro Linsenoberfläche statt über alles) angegeben wird. Wenn man aber diese Werte kennt, dann ist die transmissionsberichtigte effektive Dämmerungszahl genau die Größe, die einen korrekten Vergleich der Dämmerungsleistung verschiedener Ferngläser zuläßt.

Mit Ihrer Angabe des Dämmerungsindex (nach Wolf Wehran, einem ehem. Zeiss-Pressesprecher), sind Sie schon nahe dran, aber Wehran machte bei seiner Definition den Fehler, die Augenpupille zwar als Faktor zusätzlich zu berücksichtigen, aber den Objektivdurchmesser ungeachtet der Augenpupille in der Formel drin zu lassen. Das führt z.B. dazu, daß sich für seinen Dämmerungsindex bei zwei Ferngläser 7x35 und 7x50 mit 5 mm großer Augenpupille die Werte 78,3 bzw. 93,5 ergeben, obwohl beide bei dieser Augenpupillengröße exakt dieselbe Helligkeit (identische Transmission vorausgesetzt) liefern. Das zeigt, daß sein Dämmerungsindex nicht viel taugt. Außerdem berücksichtigt er nicht die Transmission, die bei hochwertigen Ferngläser zwar nicht zu großen Unterschieden führt, aber dann, wenn auch Ferngläser mit geringer Transmission (Werte um 50% sind nicht selten bei 08/15-Ferngläsern!) verglichen werden, nicht mehr vernachlässigbar ist.

Zm Schluß noch ein kleiner Nachtrag zu Ihrem Satz, daß die Leica-Ferngläser Neukonstruktionen seien. Das ist nicht ganz richtig. Neukonstruktionen sind die mechanischen Teile. Neu ist auch die verbesserte Vergütung, die vielleicht 1 % höhere Transmission bringt, und vor allem die dielektrische statt Alu-Verspiegelung der nicht totalreflektierenden Fläche des Schmidt-Pechan-Prismas, die vielleicht nochmals um 5% höhere Transmission bringt. Die eigentliche optische Konstruktion aller Ultravids (mit Ausnahme des 10x42) ist identisch mit der der schon ca. 15 Jahr alten Trinovids (das Ultravid 10x42 hat ein neues Okular mit vergrößerter Pupillenschnittweite erhalten). Insofern ist Ihre Feststellung, daß die Qualitätsunterschiede geringer ausgefallen sind, als Sie angesichts der 25 Jahre Alterunterschied erwartet hattten, verständlich, denn so gesehen liegen nur ca. 10 Jahre zwischen den schärferelevanten optischen Kontruktionen von Zeiss und Leica. Damit will ich aber die Ultravids nicht schlecht machen, denn der Brillanz- und Helligkeitsgewinn ist keineswegs zu verachten.

Walter E. Schön

Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Dämmerungsleistung bei gleicher Vergrößerung

Wolfram Beck 2700 07. Dezember 2004 09:46

Re: Dämmerungsleistung bei gleicher Vergrößerung

Walter E. Schön 1544 07. Dezember 2004 11:58

Re: Dämmerungsleistung bei gleicher Vergrößerung

Wolfram Beck 1186 07. Dezember 2004 16:08

Re: Dämmerungsleistung bei gleicher Vergrößerung

Helmut Falter 1155 07. Dezember 2004 17:32

Re: Dämmerungsleistung bei gleicher Vergrößerung

Walter E. Schön 1359 07. Dezember 2004 18:27

Re: Dämmerungsleistung bei gleicher Vergrößerung

Gerald Quast 1379 07. Dezember 2004 21:25

Re: Dämmerungsleistung bei gleicher Vergrößerung

Walter E. Schön 3090 07. Dezember 2004 22:23

Re: Dämmerungsleistung bei gleicher Vergrößerung

Wolfgang Henseler 1340 08. Dezember 2004 21:35



In diesem Forum dürfen leider nur registrierte Teilnehmer schreiben.

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen